Wolf mit offenem Maul im verschneiten WaldWolf mit offenem Maul im verschneiten Wald

Was ist Jagdverhalten?

Jagdverhalten ist keine schlechte Angewohnheit, sondern eine Abfolge tief verankerter Verhaltensweisen. Ob und wie gut man daran arbeiten kann, hängt von Genetik, Erfahrung, Alltag und Führung ab.

Was ist Jagdverhalten?

Wie im Beitrag zum Thema Beutetrieb bereits erörtert, ist Jagdverhalten eine Abfolge von mehr oder weniger automatisierten Verhaltensweisen – dazu gehört orientieren, fixieren, verfolgen, packen, töten, zerlegen. Ursprünglich war Jagd ein überlebenswichtiger Teil des Lebens unserer Hunde und kann deswegen auch in seinen, durch Zucht verstärkten, einzelnen Bestandteilen sehr schwer zu kontrollieren sein.

Während der Hund Jahrtausende lang zu einem großen Teil unser Begleiter auf der Jagd war, ist genau diese Eigenschaft mittlerweile bei vielen Hunden unerwünscht. Doch sogar wenn eine Rasse schon lange nicht mehr zum Jagen gezüchtet wird – z.B. der Labrador oder Golden Retriever als „Familienhund“ (ich spreche nicht von Arbeitslinien), so darf es uns trotzdem nicht überraschen, wenn wir ein „jagendes“ Exemplar abbekommen. Auch bei Rassen, die gar nicht zum Jagen gezüchtet sind, kann es passieren, dass alte Gene wieder durchkommen – wäre Zucht so einfach und könnte man Verhalten so leicht vorhersehen und genetisch selektieren, hätten wir wohl niemals Probleme mit unseren Hunden. Aber wie so oft: So einfach ist es eben nicht.

Wer zudem besonders oft durch extrem stark ausgeprägtes Jagdverhalten auffällt, sind Auslandshunde – besonders aus Osteuropa. Und dafür ist es nicht mal immer von Bedeutung, ob der Hund hier großgezogen wurde oder im erwachsenen Alter nach Deutschland kam. Sie haben ganz andere Selektionsmechanismen erfahren und waren viel mehr auf harte Bedingungen und selbstständiges Überleben ausgelegt. In der Videothek findest du dazu auch das Video zu Auslandshunden. Demzufolge zeigen sie uns auch hier oft, dass sie uns nicht unbedingt zum Überleben brauchen und sich zur Not auch selbst versorgen könnten.

Was tun gegen Jagdverhalten?

Eine sehr häufig gestellte Frage, deren Antwort wie immer individuell ist. Um einzuschätzen, ob ein Antijagdtraining erfolgreich wäre, muss man erstmal mehrere Fragen beantworten:

  • Gehört dein Hund einer Jagdhunderasse an?
  • Kommt dein Hund ursprünglich aus dem Ausland?
  • Hatte er schonmal Erfolg mit Jagen oder Hetzen?
  • Geht es wirklich ums Jagen oder nur ums Hetzen oder um Beutetrieb?
  • Wie steht es um die Impulskontrolle im Alltag?
  • Was habt ihr schon an der Basis gemacht? Einen Einstieg findest du im Komplettprogramm der Videothek.
  • Und noch einige individuelle Fragen, die wir beim Einzeltraining besprechen.

Antijagdtraining

Ich weiß, dass viele Hundeschulen Kurse zum Antijagdtraining anbieten. Meine Erfahrung ist da, dass es meistens nur bei Hunden funktioniert, die nie wirklich ernsthaft gejagt haben. Da der Jagdtrieb im hohen Maße genetisch verankert ist, ist oberflächliche Konditionierung oft nicht stark genug um ihn zu kontrollieren.

Was aber bei vielen Hunden gut funktioniert, ist eine Kombination aus Prävention, Basisarbeit, sinnvollen Grenzen im Alltag und individuell angepasster Beschäftigung. Man kann genetisch verankerte Triebe nicht löschen – man kann sie aber fördern, formen und umlenken und dem Hund dadurch letztendlich ein freieres und sicheres Leben ermöglichen mit weniger Frust und mehr gesunden Alternativen.

Worum es bei Antijagdtraining wirklich geht

Als erstes müssen wir natürlich wie immer das Gesamtbild betrachten und auf dieser Basis ein realistisches Trainingsziel finden. Prognosen sind immer individuell und nie pauschal. Wenn du einen Weimaraner als reinen Familienhund halten möchtest, ist in der Vorauswahl schon mächtig was schiefgelaufen und wir haben in der Regel eine viel größere Baustelle vor uns, als wenn du eine Dogge hast, die einfach nicht weiß, dass es draußen auch Grenzen gibt.

Menschen sehen unerwünschtes Verhalten oft als das Hauptproblem, während es fast immer nur die Spitze des Eisbergs ist. Deswegen ist symptomatisches Arbeiten an Problemen ohne die Basis umzustellen und in die Prävention zu gehen auch selten eine nachhaltige Lösung. Auch wenn der Hund echten Jagdtrieb mitbringt und wir an der genetischen Grundlage nichts ändern können, können wir trotzdem an der Ausprägung, Begrenzung und Alternativen arbeiten.

Denn oft fehlt ihnen draußen einfach ein anderes Programm, sie wissen nicht, wozu der Spaziergang eigentlich da ist und der Mensch hat es nicht geschafft, ihm sinnvolle Führung zu geben, wo es diese gebraucht hätte. Und das zu ändern ist einfach und schwer zugleich. Einfach, weil wir aus Hundetraining keine Raketenwissenschaft machen und die Zusammenhänge logisch sind. Schwer, weil Menschen oft selbst in falschen Routinen stecken, und es immer darum geht, zu verstehen, umzusetzen und anzupassen – und zwar so, dass der neue Alltag selbstverständlich wird und keine Übung.

Deswegen ist ein Einzeltraining sinnvoll

Wie intensiv der Jagdtrieb deines Hundes tatsächlich ist; ob die Ursachen eher genetisch, eher erzieherisch oder auch beides sind; ob er hetzen, nur Beute machen oder sogar nur hüten oder treiben will – oder ob er das ganze Programm abspult – und viele weitere wichtige Fragen kann man in der Regel nur persönlich und vor Ort richtig einschätzen.

Also: Wenn Freilauf gar nicht mehr möglich ist, wenn der Hund jede Gelegenheit nutzt um jagen zu gehen, wenn er draußen nur abgelenkt ist und du dir seine Aufmerksamkeit hart erkämpfen musst, dann ist ein Einzeltraining auf jeden Fall der richtige Weg.

Die Preise findest du hier auf der Homepage. In den FAQ findest du die Antworten auf gängige Fragen. Ich freue mich auf deine Anfrage.

Nächster Schritt

Erst einordnen, dann trainieren

Die Videothek gibt dir Grundlagen zu Basisarbeit und Auslandshunden. Wenn dein Hund bereits jagt oder Freilauf nicht mehr möglich ist, bleibt Einzeltraining der direkte Weg.