Eine gute Beziehung braucht mehr als Leckerchen.
Als Trainer wird man oft gefragt, nach welcher Methode man arbeiten würde. Kein Wunder, es sind zahlreiche Methoden auf dem Markt – jede behauptet, die einzig richtige zu sein und hat meist einen wohlklingenden englischen Namen. Wonach soll man sich da richten?
Ich habe mich mit unterschiedlichen Ansätzen intensiv beschäftigt – doch während meiner Arbeit mit Hunden bin ich schnell zu dem Entschluss gekommen, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen muss, und eben nicht methodengebunden sein kann.
Hunde funktionieren nunmal nicht nach Schema F, denn jeder Hund ist anders und was bei einem zum Erfolg führt, muss noch lange nicht beim anderen klappen. Es ist also wichtig, je nach Hund individuell zu entscheiden, wo man ansetzt. Von diesen Grundsätzen bin ich aufgrund meiner Erfahrung fest überzeugt – und genau sie werden in der momentan herrschenden Methoden-Flut oft vergessen.
Grundsätze, die oft vergessen werden.
- Hunde sind in erster Linie Tiere und reagieren aus ihrer Sicht zu 100% adäquat – auch wenn es manchmal auf den ersten Blick nicht so scheint.
- Hunde sind hoch soziale Lebewesen und wir können und dürfen direkt mit ihnen kommunizieren und müssen nicht den Umweg über Kommandos und Clicker nehmen. Und – wir dürfen und müssen ihnen gewisse Verhaltensweisen verbieten, um sie und die Umwelt zu schutzen. Grenzen sind nichts Schlechtes, wenn man dabei fair ist.
- Hunde brauchen Führung, Ruhe und Sicherheit. Kein Tier in freier Wildbahn und kein Straßenhund neigt dazu, so durchzudrehen, wie unsere Hunde. Warum ist das wohl so? Warum dulden wir Verhaltensweisen, die weder bei Menschen, noch bei Tieren erstrebenswert sind?
- Stimmt die Beziehung, muss der Hund kein einziges Kommando kennen und ihr werdet ein entspanntes Leben miteinander haben.
- Ich möchte, dass du Dinge nicht änderst, weil ich es sage – sondern, weil du den Sinn dahinter verstehst. Ich werde beim Training jede Frage, die du mir stellst, verständlich beantworten. Versprochen.
Lost in Translation?
Erfahrungsgemäß ist der Grund für die meisten Probleme zwischen Mensch und Hund eine unklare Kommunikation. Der Hund will uns etwas klarmachen, wir verstehen es falsch und reagieren für den Hund absolut inadäquat. Der erste Schritt bei jedem Problem ist also immer die Ursachenforschung.
Hunde tun Dinge nicht „einfach so“ oder nur um uns zu ärgern – sie tun es, weil sie Erfolg damit haben, weil sie es nicht besser wissen oder weil es ihnen an Führung fehlt. Und das erkennt der Mensch oft nicht. Wusstest du, dass Hunde es als Belohnung empfinden können, wenn man mit ihnen schimpft? Oder an der Leine ruckt? Oder dass Streicheln auch eine Strafe sein kann? Hast du dich schonmal gefragt, warum ein Hund bei Frauchen wie verrückt an der Leine zieht und pöbelt, und bei Herrchen nicht?
Es liegt mir viel daran, in erster Linie an der Beziehung zwischen Mensch und Hund zu arbeiten, bevor man an Erziehung denkt. Viele Probleme erledigen sich von alleine, wenn das Verhältnis zum Hund stimmt.
Das bedeutet, dass Konditionierung (Sitz=Leckerchen) bei mir eine recht unbedeutende Rolle spielt, eigentlich gar keine. Denn arbeitet man ausschließlich nach diesem Prinzip, hat man schnell einen „dressierten“ Hund, der aber schnell vergisst, dass er „eigentlich alles kann“, sobald man keine Leckerchen dabei hat oder in eine brenzliche Situation gerät.
Das einzige also, was man über Hundeerziehung und -beziehung allgemein sagen kann, ist wohl, dass es viel mehr ist als Lob und Strafe, es ist ein weites spannendes Feld, das Schubladendenken nicht zulässt. Und gerade deswegen macht es so viel Spaß 🙂
Kommunikation ohne Drill.
Ich halte es für falsch, den Hund mit Gewalt und militärischem Drill zu erziehen, und bin ebenso dagegen Hunde in Watte zu packen, denn beides ist absolut unnatürlich. Wir sollten uns danach richten, was die Natur uns vorgibt und das basiert in erster Linie auf deutlicher Kommunikation, Ruhe und Vertrauen. Ich setze auf klare Körpersprache und möchte den Menschen darin schulen, mit dem Hund intuitiv zu kommunizieren, Grenzen zu setzen und Vertrauen zu schaffen – auch mal ganz ohne verbale Kommandos.