Hund schaut aus einem offenen FensterHund schaut aus einem offenen Fenster

Alleine bleiben und Trennungsangst

Wenn dein Hund nicht allein bleiben will, heißt das nicht automatisch, dass er echte Trennungsangst hat. Meistens geht es um ein Zusammenspiel aus Kontrolle, Frust, Gruppenzugehörigkeit und der Frage, ob dein Hund in eurer Wohnung wirklich zur Ruhe kommt.

Warum kann mein Hund nicht alleine bleiben?

Wenn dein Hund nicht allein bleiben will, heißt das nicht, dass er auch Trennungsangst hat. Denn Hunde mit echter Trennungsangst haben diese auch draußen und würden dir dann nicht von der Seite weichen. Bei den meisten allerdings sieht es so aus, dass sie draußen ganz normal – oft sogar sehr selbstständig – unterwegs sind, zu Hause aber die Wohnung auseinandernehmen, heulen oder bellen – auf jeden Fall aber nicht zur Ruhe kommen. Und in den letzten 20 Jahren der Arbeit mit Hunden habe ich mehr Menschen mit Trennungsangst erlebt, als Hunde. Es ist also (mit wenigen Ausnahmen) was anderes.

Der Stress beim Alleinebleiben ändert sich in der Regel auch kaum, wenn man den Hund vorher gut auslastet und er eigentlich müde sein sollte und schlafen, wenn man ihn allein lässt. Manchmal geht das Geheule los, sobald die Tür zufällt, manchmal dauert es eine Weile. Und ob man das Alleinebleiben ganz langsam aufbaut, dem Hund was zum Kauen oder Spielen da lässt, schimpft beim Heimkommen, den Hund ignoriert oder versucht, in einem ruhigen Augenblick wieder reinzukommen, ändert meistens gar nichts.

Warum fällt es manchen Hunden also so schwer? Natürlich können die Gründe auch ganz woanders liegen, aber hauptsächlich geht es darum, dass der Hund überhaupt nicht versteht, warum er jetzt zurückbleiben muss.

Bei manchen spielt ein gewisser Kontrollverlust mit rein – verlässt du das Haus, verliert er die Kontrolle über dich und denkt, dass du ohne ihn nicht überlebst (sehr vereinfacht ausgedrückt natürlich!). Das sind oft Hunde, die dem Menschen im Haus auch gern mal hinterherlaufen oder an strategisch wichtigen Plätzen liegen und nur sehr widerwillig dort, wo der Mensch sie gern hätte.

Eine andere Variante ist, dass dein Hund denkt, dass er selbst nicht überlebt ohne seine soziale Gruppe (in dem Fall bist das du) – es ist absolut natürlich für Hunde, mit der Gruppe zusammen zu bleiben. Sie sind zwar nicht im klassischen Sinne Rudeltiere, aber hoch sozial, deswegen ist besonders für manche Hunde die Gruppenzugehörigkeit ungemein wichtig.

Das sind ein paar gängigen Beispiele, oft kommen noch andere Motivationen dazu oder Kontrollverlust und Trennungsangst vermischen sich. Grundsätzlich gilt aber, unabhängig der Ursachen: Eine geschlossene Tür ist für den Hund ein sehr unnatürliches Konzept. Unser Job ist es also, dafür zu sorgen, dass wir nicht „einfach so“ verschwinden und der Hund das Alleinbleiben mit geschlossenen Türen, Frust und Stress verbindet, sondern mit Ruhe und einer entspannten Auszeit.

Warum zerstört mein Hund dann die Einrichtung?

Hunde haben, ebenso wie Menschen, eine ganz unterschiedliche Art der Stressbewältigung. Sobald der Hund merkt, dass die Tür zu ist und er nicht mehr an seinen Menschen rankommt, steigt der Stresspegel – aus unterschiedlichen Gründen. Und was er tut, um sich wieder zu regulieren, hängt von seiner Persönlichkeit, Erfahrung und Genetik ab. Während der Husky eher zum Heulen neigt, wird der Pitbull wahrscheinlich deine Kissen zerpflücken. Während ein Hund sich ins Bellen reinsteigert und gar nicht mehr aufhören kann, wird ein anderer anfangen, in der Wohnung zu markieren. Auch wenn es bei manchen Quellen heißt, es gäbe kein Protestpinkeln – ich habe da eindeutig andere Erfahrungen gemacht. Auch wenn „Protest“ natürlich ein sehr menschlicher Begriff in dem Zusammenhang ist.

Wie trainiert man das Alleinebleiben?

Meistens nicht dort, wo man denkt. Es geht selten wirklich um das Alleinsein – wie so oft in der ganzheitlichen Hundeerziehung sind die Gründe hinter den Symptomen versteckt und um den Menschen geht es genauso viel wie um den Hund. Es geht viel um Abgrenzung auf beiden Seiten, es geht um Frustthemen, es geht darum, wie gut ein Hund nicht nur hoch, sondern auch runterfahren kann – also generelles Energiemanagement und natürlich um seine Persönlichkeit und die Aufgaben, die er sich aufgrund dieser in eurer Gemeinschaft gerne sucht.

Wir schauen uns beim Einzeltraining (das übrigens nicht unbedingt bei euch zu Hause stattfinden muss) euch als Team an und stellen einige Regeln neu auf. Du als Mensch übernimmst mehr Verantwortung und erklärst deinem Hund, dass du ohne ihn auch zurecht kommst. Wie gut du das kannst, zeigt sich oft bereits in ganz vielen anderen Bereichen eures Lebens und nicht nur beim Thema Trennungsangst oder Alleinebleiben. Allein schon in den 20 Stunden, die dein Hund in der Regel zu Hause verbringt, übersehen wir oft viele Gelegenheiten den einen oder anderen Stellvertreterkonflikt zu lösen, lange bevor die wirklichen Schwierigkeiten beginnen.

Im Ersttermin von zwei bis drei Stunden schauen wir uns euer konkretes Setting an und entscheiden danach, ob ein Kontrolltermin reicht, ein Seminar sinnvoll wäre oder in manchen Fällen ein Bootcamp-Aufenthalt das Setting bietet, das du zu Hause nicht herstellen kannst. Die Preise sind transparent, die FAQ beantwortet die meisten organisatorischen Fragen.

Schau dir gerne auch die anderen Themen an: Wenn du eine ähnliche Konstellation hast wie bei Leinenaggression oder Statusaggression, lohnt sich der Blick dorthin. Wer Molosser und Bullyrassen kennt, weiß, wie sehr sich Stresslagen zwischen Hund und Mensch gegenseitig verstärken können. Wenn dir der ganzheitliche Ansatz zusagt, freue ich mich auf deine Nachricht.

Nächster Schritt

Lies zuerst, bevor du trainierst

Die Videothek zeigt dir, wie ich Trennungsstress sortiere: Tempo, Management, kleinschrittiger Aufbau. Wer das verstanden hat, geht das Alleinebleiben anders an.